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Wissen & Verstehen (FAQ)

© Marion Wessels

Ob ein Nationalpark in der Egge eingerichtet werden soll oder nicht, beschäftigt derzeit viele Menschen in Ostwestfalen-Lippe. Während die naturschutzfachliche Notwendigkeit (Natur- und Artenschutz) zumeist gesehen wird, tauchen immer wieder Fragen auf, was sich durch einen Nationalpark verändern wird und wie sich der Nationalpark auf die Region auswirkt. Wir haben zentrale Fragen gesammelt und möchten diese hier beantworten. 

Vorbemerkung: Generell enthält jeweils eine spezifische Nationalpark-Verordnung Schutzbestimmungen und Regeln, die Besucher zu beachten haben. Die gibt es für die Egge naturgemäß noch nicht, bestehende Nationalpark-Verordnungen bieten aber ausreichend Orientierung.

Fakten checken Luchs
Fakten checken Luchs

Was sind Nationalparke?

Nationalparke repräsentieren in Deutschland das nationale Naturerbe. Sie sind in großen Teilen wenig vom Menschen beeinflusst bzw. können in einer Entwicklungszeit von 30 Jahren einen Zustand erreichen, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet. Deshalb spricht man auch von „Entwicklungsnationalpark“. Diese Bezeichnung würde auch für einen Nationalpark Egge gelten. Der überwiegende Teil eines Nationalparksoll die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen. Das ist bei der möglichen Gebietskulisse eines Nationalparks Egge der Fall.

Welche Ziele werden mit der Einrichtung eines Nationalparks verfolgt?

Nationalparke sind Landschaften, in denen Natur Natur sein darf.

Nationalparke

  • schützen Naturlandschaften und fördern eine vom Menschen unbeeinflusste Entwicklung und
  • sie schaffen Rückzugsgebiete für wildlebende Pflanzen und Tiere.

Nationalparke 

  • sichern zudem notwendige Erfahrungsräume für Umweltbildung und Forschung und 
  • dienen dem Naturerlebnis der Bevölkerung.

Hierzu werden stets besondere Infrastrukturen geschaffen, die die Umweltbildung und das Naturerleben verstärken. Nationalparke tragen so direkt zur wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Regionen bei. Indirekt wird dieser Effekt durch eine positive Imagebildung noch einmal verstärkt.

Wird die Bevölkerung an einer Nationalpark-Ausweisung beteiligt?

Ja, eine solche Beteiligung ist ausdrücklich vorgesehen und gewünscht. Dazu gibt es z.B. bei Informations- und Dialogveranstaltungen Gelegenheit. Vor einer Ausweisung werden offene Fragen in Arbeitskreisen und Runden Tischen erörtert. Besonders beteiligt werden auch die politischen Gremien in Kreisen und Kommunen. Liegt ein Verordnungsentwurf vor, können Bürgerinnen und Bürger im Rahmen eines öffentlichen Beteiligungsverfahrens dazu Stellung nehmen. Ergänzende Mitwirkung gibt es z.B. bei der Erarbeitung eines Wegekonzeptes, das auch mit den Heimat- und Wandervereinen der Region abgestimmt wird. Am Ende entscheiden die Abgeordneten des Landtages in NRW, ob die Eggeregion als Nationalpark ausgewiesen wird.

Was ist in einem Nationalpark eigentlich erlaubt?

In einem Nationalpark ist all das erlaubt, was die Natur nicht schädigt oder nachhaltig stört. Menschen sind ausdrücklich willkommen! Naturerleben ist neben Naturschutz ein ausdrückliches Ziel des Nationalparks! Wie in Naturschutzgebieten sind Menschen hier Gäste und halten sich an Regeln, bewegen sich z.B. auf den ausgewiesenen Wegen. Wanderwege führen dabei auch durch Kernzonen, und manche Wege sind auch als Radwege ausgewiesen. Im Nationalpark Eifel steht z.B. ein Wegenetz von 240 km zur Verfügung. 104 Kilometer davon sind auch als Radwege ausgebaut und 65 Kilometer als Reitwege. Einzelne Wanderwege und Einrichtungen in Nationalparks werden für Menschen mit Beeinträchtigungen barrierefrei ausgebaut.

Und was ist nicht erlaubt?

Es ist nicht erlaubt, gekennzeichnete Wege zu verlassen; Tiere zu stören, zu füttern oder zu fangen; Feuer zu machen oder im Nationalpark zu übernachten; Hunde frei laufen zu lassen und Müll zurückzulassen.

Wird ein Nationalpark eingezäunt?

Nein! Hier gibt es immer wieder Missverständnisse, weil einige Leute meinen, wenn es "Nationalpark-Tore" gibt, gibt es auch einen Zaun und die Tore werden geschlossen. Richtig ist: Es handelt sich bei Nationalpark-Toren um Informationszentren, die eine große Bedeutung für die Umweltbildung und die touristische Information haben.

Wer bezahlt die Einrichtung und Verwaltung eines Nationalparks?

Finanziert werden Nationalparke von den Bundesländern, hier vom Land Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen Förderungen z. B. durch EU, Bund, Verbände, Stiftungen, Unternehmen usw.

Kostet ein Besuch im Nationalpark Eintritt?

Nein! Alle Nationalparke in Deutschland sind frei und kostenlos zugänglich.

Dürfen Hunde in den Nationalpark?

Ja, aber Hundebesitzer sollen unbedingt das Wegegebot und zum Schutz der Tierwelt auch die Pflicht zum Anleinen von Hunden beachten. In den Nationalpark-Verordnungen werden dazu Regelungen aufgenommen und Schilder informieren die Besucher darüber.

Darf in einem Nationalpark gejagt werden?

Zahlreiche Wildtiere und -pflanzen finden in einem Nationalpark ihren Lebensraum. Insbesondere in den Kernzonen sollen dabei möglichst ungestörte Abläufe in ihrer natürlichen Dynamik erreicht werden. Im Idealfall würden diese ohne Eingriffe durch uns Menschen auskommen. Doch in der Praxis sind unsere Wald-Nationalparke für vollkommen ungestörte Abläufe noch zu klein. Eingriffe in den Wildbestand sind deshalb notwendig, besonders um negative Auswirkungen auf das Umfeld der Nationalparke – zum Beispiel landwirtschaftliche Flächen - zu vermeiden.

Aus diesem Grund werden in unseren deutschen Nationalparken Konzepte zur Wildbestandsregulierung erstellt. Diese regeln das gezielte Bejagen der Schalenwildbestände (Rotwild, Damwild, Rehe, Mufflons, Wildschweine …). Die Organisation der Jagd übernimmt die Nationalparkverwaltung. Private Jäger werden dazu eingeladen. Es findet keine Trophäenjagd statt; die Geweihe werden eingesammelt und anderweitig verwendet.

Wie wirkt sich ein Nationalpark auf die Holzwirtschaft aus?

In einem Entwicklungszeitraum von bis zu 30 Jahren nach einer Nationalparkausweisung wird die Holznutzung üblicherweise auf 75 % der Nationalpark-Fläche eingestellt, denn die Natur soll sich in einem Nationalpark frei und ohne Eingriffe des Menschen entwickeln können. In der verbleibenden Managementzone des Nationalparks bleibt eine Holznutzung möglich, soweit sie mit den Schutzzielen des Nationalparks vereinbar ist.

Wenn aber ca. 6.000 - 8.000 ha Waldfläche für einen Nationalpark nicht mehr holzwirtschaftlich genutzt werden, ist das für die gesamte Holzversorgung der Region, die sich auf über 100.000 ha Wald sowie einen globalen Holzmarkt stützt, ein relativ unbedeutender Belang. Das gilt umso mehr als Stürme, extreme Dürre und der Borkenkäferbefall den Wäldern der Egge in den vergangenen Jahren immens zugesetzt haben. Nach heutigen Stand sind etwa 3.000 ha als sogenannte Kalamitätsflächen, auf denen Fichten flächig abgestorben sind, für die nächsten ca. 70 Jahre wirtschaftlich wertlos. Die übrigen Flächen sind nahezu komplett als Naturschutzgebiete und/oder FFH-Gebiete („Flora-Fauna-Habitat-Gebiete“ nach europäischem Naturschutzrecht) streng geschützt. Für die Bewirtschaftung dieser überwiegend naturnahen Laubwälder gelten schon jetzt besondere Bedingungen.

Wie steht es um die Beschäftigten in der Forstwirtschaft?

Ein Blick in bestehende Nationalparke zeigt: Im Regelfall haben Nationalparke im Vergleich zu Forstbetrieben auf der gleichen Fläche eine höhere Personalausstattung. In der Entwicklungsphase von bis zu 30 Jahren fallen weiterhin forstwirtschaftliche Aufgaben an. Hinzu kommen neue Tätigkeitsbereiche wie z. B. Gebietsbetreuung, Besucherinformation, Bildungsarbeit, Mitwirkung in Artenschutz-Projekten, Ausbau und Betreuung der Infrastruktur, insbesondere des Wegenetzes. Förster – im Übrigen auch Waldarbeiter – werden nach allen Erfahrungen weiterhin dringend gebraucht.

Welche Auswirkungen hat ein Nationalpark auf die Landwirtschaft?

Der Nationalpark soll ausschließlich auf Waldflächen im öffentlichen Besitz eingerichtet werden. Für landwirtschaftlich genutzte Flächen außerhalb des Nationalparks gibt es dabei keine Einschränkungen. Es gibt auch keinen sogenannten Umgebungsschutz, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Der Nationalpark soll sich auf die Bewirtschaftung der Flächen außerhalb des Parks nicht negativ auswirken. Das ist auch der Hauptgrund, warum in deutschen Nationalparken gejagt wird. Verstärkte Wildschäden durch den Nationalpark sollen vermieden werden.

Bringt ein Nationalpark Vorteile für eine Region?

Die Region Ostwestfalen-Lippe ist touristisch gut aufgestellt, ein Nationalpark-Label als regionale Dachmarke kann gleichwohl einen wichtigen Entwicklungsschub z. B. für die Bäder-Orte bringen. Zudem prägt ein Nationalpark das Erscheinungsbild einer Region und trägt mit dazu bei, das Image zu stärken bzw. ein bereits positives Image zu erhalten. Die Erlebbarkeit von freier Naturentwicklung ist eine besondere Qualität, die neue Gäste anlockt. Auf schmalen Pfaden in „wilder Natur“ macht Wandern mehr Spaß als auf breiten Forststraßen! Auch der Ausbau der touristischen Infrastruktur und gezielte Naturerlebnis- und Umweltbildungsangebote steigern die Attraktivität der Eggeregion. Ein Nationalpark fördert einen naturverbundenen Tourismus und erhöht die Nachfrage nach regionalen Angeboten. Alle deutschen Nationalparke sind zu einem wichtigen Faktor regionaler Entwicklung, oftmals auch zu Touristenmagneten geworden.

Findungsprozess - Dialog in der Egge

Die öffentliche Auseinandersetzung um einen Nationalpark in Ostwestfalen-Lippe wird seit Jahrzehnten mit großem Engagement, aber auch mit großer Härte geführt. Trotz der leichten Zugänglichkeit von fundierten Daten und Informationen für interessierte Bürger, Medienvertreter und politische Entscheidungsträger sind viele Diskussionsbeiträge von einer erschreckenden Unwissenheit und Ignoranz geprägt. Vermeintliche „Fakten“ werden eher vermutet und geglaubt als gewusst. Und gerade die spektakulärsten Dummheiten verbreiten sich besonders schnell.

Die nachfolgende Zusammenstellung von Fakten zum geplanten Nationalpark Egge ist nicht an diejenigen gerichtet, die mit Desinformation und Verunsicherung nur ihre eigenen Interessen durchsetzen und ihre Pfründe sichern wollen. Sie ist nicht an diejenigen gerichtet, die mit Plakaten und Schildern „unser Eggegebirge“ für sich beanspruchen; natürlich ohne zu erwähnen, dass es sich bei dem geplanten Nationalpark um 100 % Staatswaldflächen handelt, also Waldflächen, die allen Bürgen unseres Bundeslandes gehören.

Diese Faktensammlung soll eine Hilfestellung für diejenigen sein, die ernsthaft Informationen zum Thema suchen. Sei es, dass sie von dem Vorhaben begeistert und fasziniert sind. Sei es, dass sie noch verunsichert sind und ganz einfach mehr wissen wollen, um sich eine eigene Meinung dafür oder dagegen zu bilden.

Auch der Nationalpark Egge wird neue Impulse setzen und große Chancen für die regionale Entwicklung bieten.