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17. Oktober 2023

Schutz der Arten ist dringend nötig

Perspektive: Ein Nationalpark für die Egge

Wir erleben ein alarmierendes Artensterben. Unsere biologische Vielfalt, auch Biodiversität genannt, ist akut bedroht – und damit unser aller Lebensgrundlage. Für ihren Erhalt ist es wichtig, dass in ganz Deutschland Biotopverbünde mit werthaltigen Lebensräumen und Wanderkorridoren für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt realisiert und weiterentwickelt werden.

In Deutschland gibt es eigentlich keine natürlichen Lebensräume mehr. „Alle unsere Landschaften sind durch den Menschen seit Jahrhunderten geprägt und stark überformt. Wir verlieren in rasantem Tempo immer weitere Tier- und Pflanzenarten“, sagt Prof. Dr. Fritz Trillmich von der Universität Bielefeld und erklärt, welche Bedeutung ein Nationalpark hat.

Prof. Dr. Fritz Trillmich
Die Möglichkeit der Wanderung und damit Ausbreitung von Arten ist essenziell für die biologische Vielfalt. Die Eggeregion stellt eine landesweit außergewöhnliche Biotopverbundachse dar.

Die Eggeregion bietet eine Vielzahl von verschiedenen Lebensräumen. Neben den dominierenden Wäldern finden sich in der Egge auch Quellen und Bäche, Moore, Felsbereiche und Höhlen. „Damit bietet der Landschaftsraum des Eggegebirges herausragendes Potenzial für den Schutz der biologischen Vielfalt“, so Prof. Trillmich. „Ungewöhnlich viele Tier- und Pflanzenarten können hier neben- und miteinander existieren. Darunter sind so seltene Arten wie die Wildkatze, der Schwarzstorch oder das Haselhuhn. Auch der Luchs könnte sich wohl wieder ansiedeln, nachdem er im vergangenen Jahrzehnt schon mehrfach hier beobachtet wurde.“

Anders, als oft behauptet, ist die lange schmale Gebietskulisse des geplanten Nationalparkes Egge kein Hindernis. Eher das Gegenteil ist der Fall, wie Verhaltensforscher Trillmich erläutert. „Die große Nord-Süd-Ausdehnung des Egge-Bergzuges dient vielen Tierarten als Wanderkorridor.“ Eine solche Verbindung stelle ein herausragend wichtiges Element des Biotopverbundes dar. Um dem Artenstreben entgegenzuwirken, müssten Lebensräume effektiv miteinander vernetzt werden. In Biotopverbünden hätten Tiere und Pflanzen die Möglichkeit der Wanderung und damit der Ausbreitung der Art.

Aus ökologischer Sicht sei dabei wichtig, dass die beiden Teilgebiete des Eggegebirges, Egge-Nord und Egge-Süd, miteinander durch zusammenhängende Waldflächen, ausgewiesene Naturschutzgebiete und einen durchgehenden Blockschuttkorridor verbunden sind. 

Durch seine Nord-Süd-Ausdehnung zwischen dem Teutoburger Wald, dem Diemelbereich und dem Sauerland würde ein Nationalpark Egge als Korridor, über den sich Tier- und Pflanzenarten weit entfernter Gebiete untereinander vernetzen können, wesentlich dazu beitragen, die stark vorangeschrittene Verinselung von Lebensräumen in unserer Umwelt zu verringern. 

„Diese Verinselung ist eine wesentliche Ursache für das Aussterben von Tieren und Pflanzen“, so Trillmich. Kleine, isolierte Populationen, egal ob Pflanzen oder Tiere, seien sehr viel stärker gefährdet als solche, die sich durch Einwanderung aus benachbarten Bereichen wieder ergänzen und erholen können. „Die Vernetzung zwischen Populationen trägt entscheidend dazu bei, die genetische Verarmung kleiner Populationen, die zum Aussterben durch Inzucht führen kann, zu verhindern.“

Um dem Artensterben insbesondere in den Wäldern entgegenzuwirken, wurden im Jahr 2015 die Ziele der nationalen Biodiversitätsstrategie vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium für das Land NRW konkretisiert: fünf Prozent der Waldfläche insgesamt und 10 Prozent der nordrhein-westfälischen Staatswaldfläche sollen sich unbeeinflusst von den Menschen entwickeln können. Bisher sind jedoch nur ca. 1,86 Prozent der nordrhein-westfälischen Waldfläche unter Schutz gestellt. Das 5 Prozent-Ziel wurde also bei Weitem nicht erreicht. „In diesem Rahmen wäre ein Nationalpark Egge ein wirkungsvoller Beitrag zur Erreichung der bisher verpassten Flächenziele von Bund und Land. Zugleich würde ein solches Großschutzgebiet auch zur Erhaltung besonders seltener, gefährdeter Arten und zur immer notwendigeren Vernetzung von Lebensräumen beitragen“, betont Prof. Trillmich.

Das seltene und sehr scheue Haselhuhn lebt versteckt im Unterholz und ist nur schwer zu entdecken. Eines der wenigen aktuell bekannten Vorkommen sind in der Egge zu finden.
Das seltene und sehr scheue Haselhuhn lebt versteckt im Unterholz und ist nur schwer zu entdecken. Eines der wenigen aktuell bekannten Vorkommen sind in der Egge zu finden.
Ein typischer Waldbewohner lichter, altholzreicher Laubmischwälder der Egge ist der Schwarzstorch. Er legt seinen Horst auf  kräftigen Gehölzen an und nutzt diesen regelmäßig wieder.
Ein typischer Waldbewohner lichter, altholzreicher Laubmischwälder der Egge ist der Schwarzstorch. Er legt seinen Horst auf
kräftigen Gehölzen an und nutzt diesen regelmäßig wieder.

„Ein Nationalpark kann den besonders bedeutsamen Landschaftsbereich der Egge schützen. Damit würde der Natur so viel Freiheit wie möglich eingeräumt, sich wenigstens lokal zu erholen und einen fast naturnahen Zustand wieder herzustellen.“ Ein Großteil der Egge sei im Besitz des Landes und durch Natura-2000-, FFH- und Vogelschutzgebiete bereits unter Schutz gestellt, was ihre große Naturschutzbedeutung dokumentiere.
Prof. Trillmich: „Die Egge kann vom Land NRW ohne großen Aufwand in einen Nationalpark überführt werden. Es ist dringend Zeit zu handeln."