Zum Inhalt (Access key c)Zur Hauptnavigation (Access key h)Zur Unternavigation (Access key u)

Privatsphäre-Einstellung

Wir verwenden auf dieser Website Cookies, die für den Betrieb der Website notwendig sind und deshalb auch nicht abgewählt werden können. Wenn Sie wissen möchten, welche Cookies das sind, finden Sie diese einzeln im Datenschutz aufgelistet. Unsere Webseite nutzt weiterhin externe Komponenten (YouTube-Videos, Google Analytics), die ebenfalls Cookies setzen. Durch das Laden externer Komponenten können Daten über Ihr Verhalten von Dritten gesammelt werden, weshalb wir Ihre Zustimmung benötigen. Ohne Ihre Erlaubnis kann es zu Einschränkungen bei Inhalt und Bedienung kommen. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

02. Mai 2024

Prominente Unterstützung für Nationalpark Egge

Spontaner Besuch des renommierten Umweltexperten Prof. em. Dr. Michael Succow

Karsten Otte, Sprecher der Naturschutzbände in OWL, kann sein Glück kaum fassen. Er reist mit Michael Succow, einem der bedeutendsten deutschen Umweltschützer spontan in die Egge. Hier, wo der 17. deutsche Nationalpark entstehen soll, warten etwa 40 Zuhörer auf den Träger des Alternativen Nobelpreises.

Michael Succow, emeritierter Professor für Geobotanik und Landschaftsökologie, hat mit dem Nationalpark-Programm der DDR - eines der größten Naturschutzprojekte der deutschen Geschichte - einen Coup gelandet. Noch kurz vor der deutschen Einheit stellte die Volkskammer der DDR mit dem damaligen Vize-Umweltminister Succow mit ihrer letzten Verfügung 4.882 Quadratkilometer unter Naturschutz. 4,5 Prozent der Fläche der damaligen DDR wurden als Schutzgebiete in den Einigungsvertrag aufgenommen. Es entstanden fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks. Das "Tafelsilber der deutschen Einheit" nannte es der damalige westdeutsche Umweltminister Klaus Töpfer aus Höxter, den Succow als Freund bezeichnet.

Schon auf der Fahrt durchs Hochstift gerät der Gründervater des Nationalparkprogramms für den Osten Deutschlands angesichts der Naturschönheiten ins Schwärmen. Für die Kalamitätsflächen in der Egge sieht der 83-Jährige die große Chance für einen „besseren“ Wald. Bereits eine Fichtenkultur reiche, um alle Regenwürmer aus einer Fläche zu vertreiben, sagt er. „Die können den Nadel-Roh-Humus nicht verdauen“.

Am Naturschutzzentrum Steinbeke trifft Prof. Succow auf etwa 40 Befürworter eines Nationalparks in der Egge. Gleich zu Beginn unterstreicht der international beachtete Umweltexperte, wie wichtig er in Zeiten von Klimakrise und Artensterben einen Nationalpark Egge findet, gerade in einem so dicht besiedelten Land wie NRW. Für ihn sei ein Nationalpark ein Beitrag zur Gesunderhaltung einer Region. Er redet über Wasser und Wasserspeicherung, über Waldböden, die nicht von Harvestern zusammengefahren werden dürfen und auch wenn er abschweift - die Leute hören ihm gebannt zu. Der Visionär Succow hat eine Botschaft. 

Prof. em. Dr. Michael Succow bei seinem Besuch in der Egge
Prof. em. Dr. Michael Succow bei seinem Besuch in der Egge

Die Menschen haben Sehnsucht

Mit seinen drei Nationalparken, drei Biosphärenreservaten und seinen Naturparken neuester Prägung habe seine Heimat Mecklenburg-Vorpommern als Tourismusland inzwischen Bayern überholt. Der Tourismus sei die wichtigste Wirtschaftskraft, liege weiter mit den Einnahmen für den Staat über denen der Landwirtschaft. „Die Menschen haben Sehnsucht nach unberührter Natur und deshalb ist jedes Großschutzgebiet, aber mit Verwaltung, Konzept und Rangern notwendig.“ Er habe hier Menschen gesehen, die nicht demonstrieren um reicher zu werden, sondern die zusammenkommen, um ihre Vorstellungen ernsthaft und schon weit entwickelt anzubieten, da könne man als Landesregierung nicht dagegen sein. Sein Fazit: „Das Potenzial ist da. Je schneller, desto besser. Und dann sind es Orte der Sehnsucht, der Gesundheit. Da könnt ihr nichts falsch machen.“

Mit Karsten Otte fährt Succow weiter nach Eversen. Im Dorfgemeinschaftshaus warten erneut mehr als 30 Leute, um den prominenten Naturschützer zu erleben. Auch hier hängen die Zuhörer an seinen Lippen. Es ist ein Erlebnis, den Erzählungen dieses unerschütterlichen Mannes zu lauschen. So lobt er den früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer, der sehr viel Weitsicht mit seinen Ideen für Naturschutz bewiesen habe. Succow spannt einen weiten Bogen, kommt aber immer wieder zu dem Schluss, wie wichtig ein Nationalpark in der Egge sei. Das kleine Gebiet in der Eifel sei doch zu klein für ein so großes Bundesland wie Nordrhein-Westfalen mit so vielen Menschen, so Succow.

Nach mehr als zwei Stunden gibt’s erstmal Suppe im Elternhaus von Tanja Busse. Die Hamburger Journalistin ist hier aufgewachsen und hat den Kontakt zu Michael Succow hergestellt. Der ist ganz gerührt, gibt’s zur Suppe doch auch noch Klaviermusik von Ralf Liebelt. Er sei zu fremden Menschen gekommen, habe aber schnell gemerkt, wie engagiert die sich für die gute Sache einsetzten, so Succow. Aus einem solchen Engagement schöpfe auch er Kraft und Energie. Sagt’s und macht sich auf zum nächsten Termin.

Als stellvertretender Umweltminister in der Modrow-Regierung gelang Michael Succow mit dem Nationalpark-Programm 1990 ein gewaltiger Coup. Riesige Flächen des Territoriums der DDR wurden als Großschutzgebiete ausgewiesen. Bis zur Wiedervereinigung konnten rechtskräftig fünf Nationalparks, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparks neuer Prägung in den Einigungsvertrag übernommen werden. Für seinen Kampf um die Erhaltung der Umwelt wurde er 1997 mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt. Mit dem Preisgeld gründete er die Michael Succow Stiftung, die sich in Deutschland und weltweit für das Naturerbe einsetzt. Heute ist die Stiftung eine der wichtigsten Naturschutzorganisationen Ostdeutschlands und betreibt Umwelt- und Klimaschutzprojekte auf vier Kontinenten.

Botschaft von Prof. Dr. Michael Succow - Video von Dr. Günter Bockwinkel