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Zeit für den Nationalpark Egge

© Walter Sprecher

Es ist Zeit für den Nationalpark Egge

In Ostwestfalen-Lippe besteht seit über 30 Jahren der Wunsch nach einem Nationalpark, um die große Artenvielfalt in unserer immer stärker genutzten Landschaft dauerhaft und großflächig zu erhalten. Bereits in den 1990er Jahren hat sich dazu der „Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge e.V.“ gegründet.

Die Landesregierung will nun einen zweiten Nationalpark in Nordrhein-Westfalen einrichten. Das haben Christdemokraten und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Unser Förderverein setzt sich derzeit bei der Landesregierung und in der Region dafür ein, dass dieser zweite nordrhein-westfälische Nationalpark auf den landeseigenen Flächen des Eggegebirges realisiert wird. Das ist keinesfalls eine Abkehr von der Senne. Völlig zu Recht heißt der Förderverein seit fast 20 Jahren
„Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge“.

Langfristig wollen wir einen Nationalpark, der sowohl den heutigen britischen Truppenübungsplatz Senne als auch wesentliche Teile des Eggegebirges umfasst. Als Bindeglied käme nach unseren Vorstellungen auch noch ein Teil des südlichen Teutoburger Waldes hinzu. Doch mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich der militärische Stellenwert des Truppenübungsplatzes Senne für die Briten verändert. So haben die britischen Streitkräfte klargestellt, dass sie auf „absehbare Zeit“ am Truppenübungsplatz Senne festhalten würden.

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins hat deshalb einstimmig eine geänderte Herangehensweise beschlossen. Wir wollen den Artenreichtum der Egge erhalten und stärken. 

Und wir wollen es den Menschen ermöglichen, diese wundervolle und oftmals einzigartige Natur zu erleben. Es ist jetzt an der Zeit, den zweiten Nationalpark in NRW einzurichten. Wir wollen mit dem Nationalpark Egge starten und ihn so bald wie möglich um die Senne ergänzen.

Luftbildaufnahme vom Eggekamm (Foto: Frank Grawe)
Luftbildaufnahme vom Eggekamm (Foto: Frank Grawe)

Der geplante Nationalpark Eggegebirge - Ein Film von Dipl. Biologe Dr. Günter Bockwinkel

Unser Flyer für Sie zum Download

Kampagnenflyer Nationalpark Egge

Der Nationalpark Egge soll ausschließlich auf Flächen des Landes Nordrhein-Westfalen begründet werden. Die Staatswaldflächen, die dafür geeignet sind, haben eine Gesamtgröße von ca. 12.400 ha.

Der Suchraum gliedert sich in drei Teilflächen: Egge-Süd, Egge-Nord und den östlich vorgelagerten Bereich Gradberg. Zwischen diesen Teilflächen gibt es verbindende Wälder, die aber nicht im Landeseigentum sind. Der Suchraum für den Nationalpark umfasst ausschließlich Flächen des Landes NRW.

Im Vergleich mit Flächengrößen der anderen bundesdeutschen Nationalparke liegt die Gesamtgröße des Suchraums für den Nationalpark Egge im oberen Mittelfeld. Die empfohlene Mindestgröße von 10.000 ha wird deutlich überschritten.

Der Suchraum für den Nationalpark Egge ist aufgrund der Eigentumsverhältnisse in die beiden Teilgebiete Egge-Nord und Egge-Süd aufgegliedert. Die Ausweisung von räumlich nicht zusammenhängenden Teilgebieten als Nationalpark ist aber praktikabel und möglich. Von den derzeit in Deutschland ausgewiesenen 12 Binnenland-Nationalparks weisen vier Nationalparke jeweils zwei getrennte Teilgebiete auf (Müritz, Eifel, Schwarzwald, Sächsische Schweiz). Der Nationalpark Kellerwald-Edersee gliedert sich in drei Teilflächen.
Aus ökologischer Sicht ist dabei wichtig, dass die beiden Teilgebiete des Eggegebirges miteinander durch zusammenhängende Waldflächen, ausgewiesene Naturschutzgebiete und einen durchgehenden Blockschuttkorridor verbunden sind. Die Trennung in 2 Teilgebiete ist ausschließlich durch die vorhandenen Eigentumsverhältnisse begründet.

Im Sinne des landesweiten Biotopverbundes besteht zwischen den beiden Teilgebieten eine ausgesprochen enge funktionale Verbindung, die von Seiten des LANUV NRW mit der besten möglichen Klasse „herausragende Bedeutung“ bewertet wurde.

Die Waldflächen des Suchraumes sind eingebettet in weitere Waldflächen, die Kommunen und/oder Privateigentümern gehören. Erhebliche Teile dieser umgebenden Waldflächen sind aufgrund ihrer Schutzwürdigkeit ebenfalls als Naturschutzgebiete ausgewiesen. 

Unabhängig von den jeweiligen Besitzverhältnissen besteht ein wichtiger und nachweisbarer Biotopverbund zwischen Sauerland, Eggegebirge und Teutoburger Wald. Dieser Biotopverbund ist durch Waldflächen auch zwischen den beiden Teilgebieten Egge-Nord und Egge-Süd ausgebildet.

An der Ostseite des Eggegebirges zieht sich, nach Norden bis in den Teutoburger Wald reichend, ein bandförmiger Korridor aus Blockschutt. Dieser Korridor ist zwischen 80 und 1.500 Meter breit. Unterbrochen von nur wenigen Lücken, zieht er sich über eine Gesamtlänge von ca. 48 km. Er weist eine Fläche von ca. 2.630 ha auf. 

Dieser Blockschuttkorridor ist wegen des schwierigen Geländes und des damit verbundenen hohen Arbeitsaufwands niemals vollständig intensiv forstlich bewirtschaftet worden. Heute stellt dieser Korridor eine landesweit außergewöhnliche Biotopverbundachse dar. Er ist in den steilsten Bereichen für Menschen nur schwer zugänglich und damit und ein ideales Rückzugsgebiet für streng geschützte Tierarten.

Suchraum Nationalpark Egge - Das Land hat der Region das Angebot gemacht, die landeseigenen Flächen in einen Nationalpark zu überführen.
Suchraum Nationalpark Egge - Das Land hat der Region das Angebot gemacht, die landeseigenen Flächen in einen Nationalpark zu überführen.

Im Rahmen der von der NZO-GmbH angefertigten Wildnispotenzialstudie NRW wurden große, funktional zusammenhängende, relativ unzerschnittene Waldflächen in NRW ermittelt, die im Rahmen der von der Bundesregierung vorgegebenen Strategie der biologischen Vielfalt als Wildnisgebiete in Betracht kommen. Dabei zeigt sich in Bezug auf die Egge ein eindeutiges Bild: Die Egge hat das Potential für ein Wildnisgebiet von besonderer Bedeutung.
Auf Wunsch des Fördervereins untersuchte Dr. Bockwinkel die Eggeregion darauf aufbauend auch im Hinblick auf eine zukünftige Nationalparkeignung und das mit einem besonderen Fokus auf die landeseigenen Flächen.

Der Naturraum Egge zeichnet sich nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch vielfältige und schützenswerte Landschaftselemente aus: So wächst dort eine große Vielfalt an Moosen, Gräsern, Sträuchern und Baumarten, darunter auch großräumige Buchenwaldflächen (Naturerbe-Wald u. a.). Einzigartige Felsformationen, Felsklippen, viele Höhlen, Quellen, Bäche und Moore bieten der üppigen Flora und Fauna den geeigneten Lebensraum. Da kann es kaum überraschen, dass dieses Gebiet auch Heimat zahlreicher selten gewordener Tierarten ist. Darunter befindet sich auch eine Käferart, die weltweit bisher nur in Höhlen des Eggegebirges nachgewiesen werden konnte.

Sowohl von der Flächengröße (8.151 Hektar Egge Nord und 4.688 Hektar Egge Süd in öffentlicher Hand) als auch von der besonderen biologischen Wertigkeit der Egge her, drängt sich deren Ausweisung als Nationalpark geradezu auf. Das war im Wesentlichen auch schon 2005 das Resultat eines Gutachten des LANUV

In der Frage der besonders wertigen naturschutzfachlichen Eigenarten dieser Gebietskulisse konnte Dr. Bockwinkel inzwischen sogar deutlich mehr Potenzial belegen, als 2005 registriert wurde. Das liegt an zusätzlichen Feststellungen ebenso, wie an einer sehr guten forstwirtschaftlichen Arbeit in wichtigen Teilen der Gebietskulisse. Neben der so schon bestehenden Naturschutzwürdigkeit hat die Egge zusätzlich ein erhebliches Entwicklungspotenzial.

Im Internetportal Waldinfo.NRW können Sie die Kulisse des geplanten Nationalparks Egge genauer einsehen. Hinweis: Setzen Sie auf der linken Seite unter „Kataster und Verwaltung“ ein Häkchen bei „Landeseigener Forstbetrieb (Staatswald)“.

Naturschutz und Wirtschaftswachstum

Gemeinnützige Zwecke kollidieren häufig mit privatwirtschaftlichen Interessen, wobei diese durchaus legitim sein können. In der Regel ist auch die Einrichtung eines Nationalparks ein konfliktbehaftetes Vorhaben, das im Spannungsfeld unterschiedlicher Zielsetzungen steht.

Am naturschutzfachlichen Wert eines Nationalparks Egge und auch an seinem regionalwirtschaftlichen Nutzen kann es nach den Erfahrungen aller anderen deutschen Nationalparke keinen vernünftigen Zweifel geben. Und so müssen die gemeinnützigen Naturschutzbelange mit den ihnen entgegenstehenden berechtigten privatwirtschaftlichen Interessen in einen fairen und angemessenen Ausgleich gebracht werden. Es bedarf sachlicher Information und Aufklärung, um den Fragen der Bevölkerung zu entsprechen, allerdings auch, um mancher Fehlinformation entgegenzutreten, die von einigen Gegnern des Nationalparks in die Welt gesetzt wird. Die Ausweisung eines Nationalparks ist oft mit heftigen Abwehrattacken verbunden. Die anspruchsvollste Schutzkategorie schürt bei manchen Interessengruppen vor Ort diffuse Ängste: Der Mensch werde aus dem Wald ausgesperrt, Krankheiten oder Schädlinge breiteten sich aus und der wirtschaftliche Schaden für die Region sei vorprogrammiert. Das geht an der Realität vorbei. In keinem deutschen Nationalpark wird der Mensch ausgeschlossen. Es ist sogar ausdrücklich erwünscht, dass viele Menschen die Natur im Nationalpark erleben und ihren Wert schätzen lernen.

Es wäre gewiss fahrlässig, die Ausweisung eines Nationalparks allein nach dem ökonomischen Kosten-Nutzen-Verhältnis abzuwägen. Ein Nationalpark ist kein Luxus, sondern dient mit seiner biologischen Vielfalt den kommenden Generationen.

Gut zu wissen...

Das Land will jetzt einen zweiten Nationalpark schaffen – wo ist noch offen. Der Nationalpark Eifel zeigt, dass Natur und Menschen gleichzeitig etwas davon haben. Über 11.000 verschiedene Arten können mittlerweile im Nationalpark Eifel nachgewiesen werden – jede Vierte davon von der Roten Liste der gefährdeten Arten. Mit einer neuen Untersuchung will das Land zudem jetzt wissen, für wie viel Bruttoumsatz der Nationalpark Eifel in der Region sorgt. Eine Untersuchung aus den Jahren 2014/2015 zeigte, dass der Nationalpark in der Region einen Bruttoumsatz von über 30 Millionen Euro bewirkt, was rechnerisch 674 Arbeitsplätzen entspricht. Das Schutzgebiet ist damit auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.