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Tierisch gut

Spuren lesen. Arten begegnen. Leben wahrnehmen.

© Dr. Günter Bockwinkel

Die Egge - Heimat selten gewordener Vögel

Die Vielfalt der geologischen Strukturen der Egge hat ein abwechslungsreiches Mosaik unterschiedlicher Pflanzengesellschaften hervorgebracht. Dieses Mosaik aus unterschiedlichen Strukturen bietet Lebensmöglichkeiten für Tierarten, die andernorts kaum noch geeignete Räume finden. In der Egge begegnen Vögel, Säugetiere und Amphibien einer Fülle von Klein- und Großräumen, in denen sie Nahrung, Schutz und Fortpflanzung finden. Diese Vielfalt bietet zahlreichen, bei uns selten gewordenen Vogelarten geeignete Lebensräume. Die ausgewiesenen Vogelschutzgebiete mit ihrer hohen Biotop- und Artenvielfalt haben eine herausragende Bedeutung für den landesweiten Biotopverbund, insbesondere als Verbindung zwischen den Gebieten des Teutoburger Waldes, der Egge sowie den Waldlandschaften zwischen Alme und Diemel.

Wälder, alte Bäume und Spechte
Strukturreiche Hochwaldareale bilden die Grundlage für eine vielfältige Vogelwelt. Alle heimischen Spechtarten der Mittelgebirge finden hier geeignete Bedingungen: Schwarzspecht, Grünspecht, Grauspecht, Bunt-, Mittel- und Kleinspecht sowie der Wendehals nutzen alte und auch abgestorbene Bäume, um Bruthöhlen anzulegen und ihre Jungen aufzuziehen. Alte und abgestorbene Bäume gehören zu den wichtigsten Lebensraumkomponenten für viele Arten. Sie bieten nicht nur Brutplätze für Spechte, sondern dienen als Quartiere und Jagdreviere für Käfer, Fledermäuse und weitere Vögel. Diese Höhlen sind von zentraler Bedeutung für viele weitere Vogelarten und wirken weit über die Spechte hinaus als Schlüsselstrukturen im Wald.

Eulen und Greifvögel
Verlassene Spechthöhlen werden von Hohltaube, Sperlingskauz und Raufußkauz übernommen. Gerade die kleinen Eulenarten erreichen in der Egge die nordwestliche Grenze ihres regelmäßigen Verbreitungsgebietes. Auch der Uhu ist wieder in den Felsregionen sowie in Greifvogelhorsten entlang des Eggekamms anzutreffen. Gerade große Arten wie Uhu und Rotmilan brauchen großräumige, miteinander vernetzte Lebensräume. Die Egge bietet solche Zusammenhänge, weil Wald, Tal, Offenland und Felsbereiche sich zu funktionalen Korridoren verbinden.
Baumfalke, Rotmilan und Wespenbussard brüten ebenfalls in der Egge. Sie zählen zu den Vogelarten, die eines besonderen Schutzes bedürfen. Für den Rotmilan trägt Deutschland eine besondere Verantwortung, da mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes hier brütet.

Offene Flächen und neue Lebensräume
Der teils flächendeckende Verlust von Fichtenbeständen hat neue Offenflächen entstehen lassen. Diese bieten Arten wie Heidelerche und Baumpieper neue Lebensräume. Solche offenen Flächen brauchen Zeit, um sich in stabile Lebensräume zu verwandeln, in denen Arten dauerhaft vorkommen können. Nur dort, wo natürliche Sukzession zugelassen wird, entstehen vielfältige Kleinstrukturen, die ein breites Artenspektrum tragen. Mit fortschreitender natürlicher Wiederbewaldung können diese Flächen in den kommenden Jahrzehnten auch für Arten wie den Ziegenmelker und möglicherweise den Raubwürger wieder attraktiv werden.

Gewässer, Moore und Feuchtgebiete
Zahlreiche Bachläufe bieten Wasseramsel und Eisvogel geeignete Lebensräume und dienen diesen Arten sowie dem Schwarzstorch als wichtige Nahrungshabitate. Gewässer und ihre Uferzonen sind besondere Schmelztiegel der Vielfalt, weil sie Nahrung, Feuchte und Mikrohabitate gleichzeitig bieten. Gerade in den feuchten Bereichen können Libellen, Amphibien und spezialisierte Pflanzen Lebensräume finden, die andernorts selten geworden sind. Die Feuchtwälder der Bachtäler bieten der Waldschnepfe geeignete Brutplätze. In den offenen Landschaften der Eggemoore am westlichen Fuß der Egge brüten vereinzelt landesweit vom Aussterben bedrohte Arten wie Braunkehlchen und Raubwürger. Auch der stark gefährdete Wiesenpieper findet hier noch geeignete Lebensräume.

Zugvögel – die Egge im Jahreslauf
Zur Zugzeit ziehen zahlreiche Vogelarten entlang des Fußes der Egge, wo sie Rastplätze und Möglichkeiten zur Nahrungssuche finden. Als Rast- und Versorgungsraum ist die Egge für Zugvögel weit über die Region hinaus wichtig. Gerade in Zeiten, in denen Nahrungsräume sonst rar sind, ermöglicht die Vielfalt an Strukturen Menschen und Tieren gleichermaßen, den Jahreslauf in der Natur zu erleben. Arten wie das Braunkehlchen – Vogel des Jahres 2023 – und der Steinschmätzer halten sich während des Frühjahrs- und Herbstzuges oft mehrere Tage bis zu zwei Wochen am Westhang des Eggegebirges auf.
Auch andere Singvögel nutzen die Hangwiesen im Spätsommer zur Rast. Trauer- und Grauschnäpper sowie der selten gewordene Gartenrotschwanz sammeln hier Energiereserven, bevor sie in ihre Überwinterungsgebiete weiterziehen. Große Arten wie Wespenbussard, Kranich oder gelegentlich auch der Fischadler überqueren die Egge auf dem Zug an Pässen wie der Gauseköte.

Bedeutung und Schutz
Diese Vielfalt der Vogelwelt – von der hier exemplarisch nur die selteneren Arten genannt wurden – unterstreicht den herausragenden Wert der Egge für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Die Ausweisung großer Vogelschutzgebiete sowie von FFH- und Natura-2000-Flächen trägt dieser Bedeutung bereits Rechnung. Die langfristige Sicherung dieser Vielfalt und ihre Weiterentwicklung lassen sich durch geeignete Schutz- und Managementformen nachhaltig unterstützen. Ein Schutzraum gewinnt an Wert, wenn sich natürliche Prozesse über Jahrzehnte entfalten können. So entstehen Lebensräume, die nicht nur Arten beherbergen, sondern die Fähigkeit haben, Vielfalt selbst unter wechselnden Bedingungen zu erhalten.

Vogelwelt der Egge

Scheue Waldbewohner

Die großen, zusammenhängenden Wälder der Egge bieten zahlreichen seltenen und scheuen Tierarten einen Rückzugsraum. Ein Wald ist mehr als nur Bäume und Lichtung. Er ist ein lebendiger Raum mit Verzweigungen, Bodenstrukturen und Mikroklimata, die vielen scheuen Arten erst die Bedingungen geben, unter denen sie dauerhaft überleben können. Abseits dichter Besiedlung und intensiver Nutzung finden sie hier die Ruhe und die Strukturen, die sie zum Überleben benötigen.

So streifen Wildkatzen durch die Wälder der Egge, und Schwarzstörche finden in den Kronen alter Buchen und Eichen geeignete Brutplätze. Das Trommeln von Schwarz- und Grünspecht hallt durch den Wald und verweist auf die Bedeutung alter, höhlenreicher Bäume.

Auch weniger sichtbare Arten sind hier zuhause. Seltene Fledermäuse nutzen Baumhöhlen, Felsstrukturen und unterirdische Quartiere; allein 13 Fledermausarten sind in der Egge nachgewiesen. Fledermäuse sind besonders aussagekräftig für die Qualität eines Lebensraums, weil sie vielfältige Anforderungen an Struktur, Nahrung und Ruhe stellen. Ihre Anwesenheit zeigt, wie gut Lebensräume vernetzt sind und wie reich die Nahrungsangebote in einem Gebiet sind.

In feuchten, naturnahen Bereichen lebt die Geburtshelferkröte und mit dem Haselhuhn kommt hier eine Art vor, die in Nordrhein-Westfalen nur noch an wenigen Orten geeignete Lebensbedingungen findet.

Diese scheuen Waldbewohner sind auf großräumige, unzerschnittene Lebensräume angewiesen. Ihr Vorkommen macht deutlich, welche besondere Bedeutung die Egge als Rückzugs- und Entwicklungsraum für anspruchsvolle Arten besitzt. Ihr Vorkommen steht exemplarisch für die Qualität und Weite dieses Waldraums.

Im Schutz des Waldes