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Lebensräume

© Kurt Blaschke

Die Geheimnisse des Waldes

Naturerbe Buchenwald

In den naturnahen Laubwäldern der Egge ist die Rotbuche die dominierende Baumart. Deutschland trägt eine globale Verantwortung für das Naturerbe Rotbuchen-Wald. Diesen Schatz vor der eigenen Haustür gilt es zu bewahren. Von Natur aus würden Rotbuchen-Wälder rund zwei Drittel der Fläche Deutschlands prägen. Durch Eingriffe des Menschen, auch der Forstwirtschaft, sind es heute nur noch 6 Prozent der ursprünglichen Fläche. Nur wenn wir den Erhalt unserer „Urwald“-Lebensräume sichern, können wir auch von anderen Ländern den Schutz von zum Beispiel tropischen Regenwäldern fordern.

Abhängig vom Gesteinsuntergrund, der Geländeoberfläche, der mittleren Jahrestemperatur und dem durchschnittlichen Niederschlag kommen natürlicherweise in der Egge fünf unterschiedliche Buchenwaldtypen vor. In allen ist die Buche vorherrschend, mit der aber zahlreiche weitere Baumarten wie z. B. Berg-Ahorn, Stiel-Eiche, Trauben-Eiche, Sand-Birke, Eberesche und Esche gemeinsam vorkommen können. Ihre Namen erhalten diese Waldtypen zumeist wegen der ganz spezifischen Zusammensetzung der Pflanzenarten der Krautschicht unter den Bäumen. Nur in den Bachtälern und ausgedehnten Quellbereichen des Egge-Westhangs sowie in Hangmooren des Egge-Osthangs stellen bachbegleitende Erlen- und Erlenbruchwälder die beherrschende Vegetation.

Natürlicherweise (d.h. ohne das Eingreifen des Menschen) würde der Hainsimsen-Buchenwald den größten Teil der nährstoffarmen, oft sandigen Böden des Eggewest- und Osthangs sowie der Südegge bedecken.

Die Weiße Hainsimse bildet oft große Bestände am Boden. Nur wenige andere Pflanzenarten wie z. B. der Sauerklee kommen hier in der Krautschicht vor. An südexponierten Hängen mischt sich auch das wärmeliebende Perlgras in die Vegetation. Diese Flächen sind heute ganz überwiegend durch Fichtenwirtschaft geprägt.

Kleinflächig ist in Tälern und Mulden der Egge auf sauren und mageren Standorten der Drahtschmielen-Buchenwald ausgebildet. Die Drahtschmiele ist eine ausdauernde Graspflanze, die mit bis zu 1 Meter langen Wurzeln die spärlichen Nährstoffe aus dem Boden sammeln kann.

Der Waldmeister-Buchenwald wächst flächig auf dem Egge-Osthang, den kalkhaltigen Böden der Egge-Vorberge sowie in Teilen der Südegge. Im zeitigen Frühjahr bildet der Waldmeister seine weißen Blütenteppiche aus und verbreitet einen typischen Duft. Spektakulär und überaus beliebt sind hier die bereits im Spätwinter erscheinenden dichten Teppiche der anderen Frühblüherarten, wie z.B. Lerchensporn, Leberblümchen, Märzenbecher und Bärlauch. Sie ziehen alljährlich Hummeln und Bienen, aber auch die Menschen der Region an. Nach dem Winter versorgen sie die Insekten mit lebenswichtigem Nektar und erfreuen Wanderer mit ihrer Blütenpracht.

Östlich und westlich der Egge vorgelagert sind Bereiche aus Flattergras-Buchenwald, die zumeist auf Lösslehmböden wachsen. Dieser Waldtyp war ursprünglich sehr weit verbreitet, z. B. auch im Bereich der Paderborner Hochfläche. Wegen der fruchtbaren Böden wurde der Flattergras-Buchenwald aber zumeist durch Äcker und Grünland verdrängt.

Relativ kleinflächige Verbreitung haben die Eichen-Buchenwälder. Sie sind zum einen der eigentlichen Egge vorgelagert, insbesondere in Bereichen mit sandigen Böden im Übergang zum Tiefland. Wir finden sie aber auch in den Kammlagen, wo die Konkurrenzkraft der Buche nachlässt. Auf den stärker vernässten Böden am Fuß des Egge-Osthangs ist die Buche in ihrem Wachstum ebenfalls gehemmt. Diese Standorte sind die Domäne der Stieleichen-Hainbuchenwälder.
Die verschiedenen Buchenwaldtypen der Egge sind eng miteinander verzahnt und wechseln sich oft kleinräumig ab.
Wenig bekannt, aber überaus interessant sind die Zwiebelzahnwurz-Buchenwälder. Die Zwiebelzahnwurz ist ein Frühblüher, der vor der Belaubung der Buchen bereits seine Blüten zeigt. Absolut ungewöhnlich: Die Zahnwurz vermehrt sich ganz überwiegend durch kleine Knospen, die sog. Brutzwiebeln. Die Art gehört eigentlich in die Bergwälder und steigt in den Alpen bis zu einer Höhe von ca. 1.600 m auf. Im Eggegebirge findet sie aufgrund des speziellen Klimas einen Lebensraum.

Soweit das Auge reicht - Bärlauch im Waldnaturschutzgebiet Egge-Nord

Die Kraft der Natur - Die neuen Wälder der Egge

Die sogenannten Kalamitätsflächen bieten für die zukünftige Entwicklung der Wälder im Eggegebirge große Chancen. Dort können sich die neuen Wälder der Egge vielfältig und ganz natürlich entwickeln.

Der Kampf um Licht und Sonne bestimmt das Leben der Pflanzen im Wald. Dieser Wettbewerb hat letztlich erst zur Entwicklung von Bäumen und Wäldern geführt. Jeder Baum und jede Pflanze möchte mit den Blättern durch Photosynthese möglichst viel Sonnenenergie einfangen, Kohlendioxid binden und organische Substanz aufbauen.

In natürlichen Wäldern gibt es eine große Anzahl unterschiedlicher Baum- und Straucharten, die ganz verschiedene Größen erreichen und sich in der Wuchsform unterscheiden. Außerdem sind die einzelnen Bäume einer Art in einem natürlichen Bestand ganz unterschiedlich alt. Beispielsweise gibt es neben mehrere hundert Jahre alten Buchen, die bereits tot oder im Absterben sind, auch alle anderen Altersstadien bis hin zum winzigen Buchenkeimling. Dadurch bedingt entsteht in solchen Wäldern vom Boden bis zum Blätterdach ein sehr vielfältiger Schichtenaufbau. Und das Kronendach ist nicht gleichmäßig geschlossen, weil durch natürliches Absterben großer Bäume immer wieder kleine Waldlichtungen entstehen.

Anders als im natürlichen Wald werden in Wirtschaftswäldern in der Regel gleichartige und gleichalte Baumbestände gefördert, die sich viel besser und leichter mit den heute verbreiteten Großmaschinen ernten lassen. Das Extrem solcher forstlichen Monokulturen stellen Fichtenforste dar. Sie tragen ganzjährig Nadeln, lassen kaum Licht zum Waldboden durch und unterdrücken so fast alle anderen Arten. Solche dichten und dunklen Fichtenforste haben über viele Jahrzehnte auch weite Teile des Eggegebirges geprägt. Inzwischen haben aber Dürre und Borkenkäfer dafür gesorgt, dass auch in der Egge die ehemals so wuchskräftigen Fichtenbestände fast flächendeckend abgestorben sind. Bis zum Sommer 2022 waren innerhalb der Staatswaldfläche des Eggegebirges knapp 3.000 ha sog. Kalamitätsflächen entstanden. Das entspricht ca. 24 % der gesamten Staatswaldfläche in der Egge. Für die Forstwirtschaft ist das eine große Katastrophe. Für den Lebensraum Wald eröffnen sich dadurch jedoch ganz neue Chancen.

Die meisten dieser früheren Fichtenflächen sind mittlerweile nicht mehr wüst und leer. Das Sonnenlicht hat Samen und Jungwuchs von Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen zum Leben erweckt. Große Flächen werden von Pionierwäldern aus Birken eingenommen. In Feuchtbereichen wachsen Schwarz-Erlen und Weiden. Jungwuchs von Ebereschen, Buchen und Eichen entwickelt sich. Bereits in früheren Jahren durchgeführte Unterpflanzungen mit Buchen unter Fichten haben nach dem Absterben der Nadelbäume einen regelrechten Entwicklungsschub gemacht.

In wenigen Jahrzehnten werden sich auf den früheren Nadelwaldflächen artenreiche, vielfältige und stabile Laubmischwälder einstellen. Die neuen Wälder der Egge werden, anders als die früheren Monokulturen, ein wichtiger Lebensraum für viele typische Tierarten sein.

Solch eine selbstständige Wiederbewaldung ist eine ganz natürliche Entwicklung, bei der die Natur nur etwas Zeit und Ruhe braucht. Ähnliche Entwicklungen mit faszinierenden Ergebnissen hat es bereits auch anderswo schon gegeben. Ein gutes Beispiel dafür sind die früheren Kalamitätsflächen des Nationalparks Bayerischer Wald.
Diesen natürlichen Entwicklungsprozess gilt es zu schützen! Lassen wir der Natur im Eggegebirge Zeit und Raum. Und lassen wir uns überraschen durch die neuen Wälder der Egge!